Tschaikowsky mit Esprit

RHEIN-NECKAR-ZEITUNG 16. Oktober 2013

„In seiner Schweizer Heimat zählt das 2002 gegründete Trio Fontane zu den arriviertesten jungen Kammermusikformationen. Im dritten Saisonkonzert der Gesellschaft der Musik- und Kunstfreunde Heidelberg lieferte das Ensemble in der gut besuchten Alten Aula der Universität eine aussagekräftige Visitenkarte ab. In Haydns „Zigeunertrio“ setzten die wunderbar spritzig-agile Pianistin und die wahrhaft exquisit klingende Geigerin nicht nur im berühmten „Rondo all’ongarese“-Finale vergnüglichste Akzente. Mit Frank Martins „Trio sur des mélodies populaires irlandaises“ von 1925 folgte der wohl bekannteste und bedeutendste Schweizer Gattungsbeitrag überhaupt – ein neoklassizistisches Kabinettstück, dessen ebenso geistvolle wie zündende Folkloreadaption dankbarstes Material bieten. Ihre tiefe Vertrautheit mit der charakteristisch eleganten und transparenten Klangsprache des Landsmannes führten die drei Fontane-Musiker beim Heidelberger Konzert in souveräner Feinabstimmung vor – mit geschmackvoll verinnerlichten Adagio-Soli des Cellisten und superbem Damenduo in den Ecksätzen. Tschaikowskys monumentaler a-Moll-Solitär op. 50 fordert von den Interpreten große Virtuosität, intensives Gefühl und – gerade in seinem Variationenteil – besonderen spielerischen Esprit. Die Musiker blieben insofern absolut nichts schuldig: Wie stilsicher und brillant sie ihre opulenten Parts beseelten, ließ wohl die Herzen aller Tschaikowsky-Fans in der Alten Aula höher schlagen. Dass diese Tschaikowsky-Deutung bei aller Süffikeit nie zu kitschig-sentimentaler Schwerfälligkeit neigte, unterstrich erst recht ihr überdurchschnittliches Format.“

 

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