Märchenhafter Klangzauber

Schwäbische Zeitung, 21. August 2017
Christel Voith

„Alle drei Musiker begeistern ihr Publikum mit ansteckender Frische und Lust für Innovation. So darf es nicht wundern, dass der Komponist Carl Rütti aus Zug ihnen sein „Trio über ein Zürichsee-Lied“ auf den Leib geschrieben hat, ein Auftragswerk zum 100-jährigen Bestehen der Zentralbibliothek Zürich. Schon nach den ersten Takten des Cellos deutete die Violine das Lied an, das in allen drei Sätzen immer wieder neu anklingt, intensiver wird, suggestive Klangbilder schafft, die in jazzige Rhythmen hinübergleiten. Alpenländisch und zugleich märchenhaft entrückt klingt es im Adagio, ehe das Werk mit lebhaft tanzendem und schillerndem Jig ausklingt.
Spritzig, magisch, filigran
Wie in diesem vielfarbigen zeitgenössischen Trio hatten die Musiker auch zuvor mit brillantem Spiel gefangen genommen. So sprudelte der Quell eingangs in Mozarts Trio B-Dur KV 502. Spritzig gingen sie das Trio an und zeigten zugleich viel Seele in den lyrischen Passagen. Magisch war der Ton von Klavier und Violine in den süffigen Kantilenen des Larghetto, während das Allegretto zum verspielten Dialogisieren wurde, das die Musik in filigranem Spiel funkeln ließ.
Zur Freude von Kantor Wittnebel, der schon mehrfach mit der Kantorei Werke von Heinrich von Herzogenberg aufgeführt hat, stand der glühende Brahms-Verehrer auch hier auf dem Programm. Glühend war auch die Legende op. 62 Nr. 2 für Violoncello und Klavier, bei der der Cellist mit seinem samtenen Ton richtig zur Geltung kam. Mit großer Tiefe schufen die Spieler einen betörenden Klang. Nicht minder schön waren die Sätze aus der Violinsonate Nr. 2 op. 54, die die Geigerin und die Pianistin in innigem Miteinander wie in sprühender Dynamik verbanden. Und wie eine Traumlandschaft von märchenhaftem Zauber zog danach das Andante aus Herzogenbergs Klaviertrio Nr. 2 d-Moll op. 36 in wogendem Miteinander vorüber. Einen sehr stimmigen Schlusspunkt setzte Gabriel Faurés romantische Träumerei „Après un rêve“.“
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