Trio Fontane beschließt Reihe der Sommerkonzerte

Südkurier, 21. August 2017
Corinna Raupach

„Pianistin Andrea Wiesli schließt die Augen, horcht in sich hinein und gibt den Einsatz zum leichtfüßigen Mozart-Allegro. Luftig wirft das Klavier das Thema in den Raum und entwickelt es nach spielerischen Einwürfen von Geige und Cello weiter. Ein Reigen aus Grazie und Leichtigkeit entfaltet sich, der auch die in muntere Passagen eingewebten Seufzer ernst nimmt. In aller Ruhe kosten die Musiker des Trio Fontane die melodischen Weiten des Larghettos aus und umschmeicheln sie mit Trillern und Verzierungen. Nimmt die Geige die liedhafte Melodie mit viel Süße, wandelt das Cello sie in sanfte Traurigkeit, freundlich denkt das Klavier den beiden nach. Geradezu mutwillig startet das Rondo und strebt nach tänzerischem Beginn kraftvoll, fröhlich oder melancholisch zum temperamentvollen Schluss.
Mit dem Werk eröffnet das Schweizer Trio Fontane das letzte Sommerkonzert in der Schlosskirche. Seit 2002 spielen Andrea Wiesli (Klavier), Noëlle Grüebler (Geige) und Jonas Kreienbühl (Cello) zusammen. Ihre Konzerte widmen sie vor allem der Wiederentdeckung vergessener Komponisten und der Interpretation neuer Musik. Beispielhaft dafür stehen die nächsten Programmpunkte: Der Österreicher Heinrich von Herzogenberg war zu Lebzeiten anerkannter Komponist romantischer Musik, stand aber im Schatten seines Zeitgenossen und Freunds Johannes Brahms.
Die zweite „Legende“ entstand wahrscheinlich 1888 nachdem der Komponist wegen eines Gelenkleidens monatelang ans Bett gefesselt war. Über dunkel rauschendes Klavier singt das Cello eine leidenschaftliche Elegie, die nach sanft schwebendem Mittelteil aufbegehrt und schließlich verebbt. Das Adagio aus seiner Violinsonate lebt von langen Bögen, in großer Amplitude und über alle Saiten ausgelebt. Vor Übermut, Energie und waghalsigen Doppelgriffen sprüht das Allegro. Aus seinem zweiten Klaviertrio geben die Musiker das Andante. Anfangs erhebt sich die Geige, sachtes Raunen des Klaviers und gezupfte Tupfer des Cellos stützen sie. Empathisch antwortet das Cello, das Klavier reagiert mit großem Crescendo. Geradezu zärtlich begegnen sich die Instrumente und finden sich im zart gewobenen Schlusston.
Der Schweizer Komponist Carl Rütti hat sein erstes Klaviertrio für das Trio Fontane geschrieben, Anlass war der 100. Geburtstag der Zentralbibliothek Zürich. „Die Komposition musste mit dem Musikalienbestand der Bibliothek zu tun haben“, erzählt Andrea Wiesli. Rütti wählte das „Vaterlandslied auf den Zürichsee“ von Anton Liste. Im zweiten Satz zitieren Geige und Cello dieses wörtlich. „Das Klavier spielt dazu etwas, das Rütti „Amselgesang“ nannte“, sagt Wiesli. Rütti macht in seiner Musik das Wasser hörbar: es fließt und tröpfelt, strömt und verdunstet. So lieblich es im Sonnenschein glitzert, so wild tobt es im Sturm. Dabei ist es nicht bösartig, es tanzt vielmehr, mischt Jazz mit einer etwas verstimmten Amsel, Humor mit schillernder Virtuosität. Diese Musik verändert die Musiker: Andrea Wiesli, die sonst mit ihren Tönen flirtet oder ihnen wie träumend hinterherschaut, greift fest zu und lässt das Klavier hüpfen. Die ernste Noëlle Grüebler hält es kaum auf ihrem Stuhl, wenn sie ihre Geige zum Rhythmusinstrument macht. Jonas Kreienbühl heizt mit Bogen und Fingern über die Saiten. Begeisterter Applaus belohnt den Ausflug an den Zürichsee.“

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